East of Stockholm, North of Warsaw: Finland, Estonia and the Early Modern Composite States in the Baltic Region

Miia Ijäs-Idrobo

Abstract


In diesem Beitrag wird untersucht, wie Schweden und Polen-Litauen in ihrer Eigenschaft
als composite states in der Frühen Neuzeit ihre Länder verwalteten. Besondere Aufmerksamkeit
wird den Territorien des modernen Estland und Finnland geschenkt, da die Herrschaft
über diese Länder im Zuge des Konflikts zwischen Sigismund Vasa als dem König
von Polen-Litauen (1587-1632) und Schweden (1593-1599), und seinem Onkel Karl von
Södermanland, dem späteren König Karl XII. (1604-1611), umstritten war. Während in der
bisherigen Forschung Schweden und Polen-Litauen als in politischer und religiöser Hinsicht
sehr unterschiedlich gegolten haben, soll hier möglichen Gemeinsamkeiten aufgrund
ihres Charakters als composite states nachgegangen werden. Beide Staaten strebten danach,
ihre Territorien sowohl politisch als auch kulturell zu vereinheitlichen. Die finnischen
und estnischen Gebiete lagen von Stockholm und Warschau aus gesehen in der Peripherie,
waren aber für diese Machtzentren von strategischer Bedeutung. Obwohl Finnland
und Estland in geografischer Hinsicht nicht weit voneinander entfernt lagen, erlauben sie
in ihrer Funktion als zusammengesetzte Monarchien unterschiedliche Perspektiven für die
Erforschung frühneuzeitlicher Reiche und königlicher Machtansprüche. Obwohl die Bezeichnung
als „Großherzog von Finnland“ in die königlichen Titel Schwedens Eingang
fand, war Finnland ein integraler Bestandteil des schwedischen Königreichs und genoss zu
keinem Zeitpunkt Autonomie innerhalb des Reiches. Estland hingegen sah sich mehrfach
Einverleibungsversuchen seitens Polen-Litauens und Schwedens ausgesetzt, die jedoch
stets nur eingeschränkt erfolgreich waren.