The Politics of Surveillance in the Interwar Czechoslovak Periphery: The Role of Campaigns Against Infectious Diseases

Victoria Shmidt

Abstract



Dass die Slowakei und Transkarpatien (Podkarpatská Rus) in den neu entstandenen tsche-choslowakischen Staat eingegliedert wurden, zählt zu einer der dramatischsten Nach-wirkungen des Ersten Weltkriegs; zu der viele Fragen noch offen sind. Die vorliegende Studie untersucht die Diskurse und Praktiken, die von den tschechoslowakischen Behörden als Ausdruck eines inneren Kolonialismus bezüglich der gesundheitlichen Verfassung der Bevölkerung in der östlichen, “nicht-historischen” Peripherie des Staatsgebiets (ein)ge¬führt worden sind. Die Tschechen als die dominante Kernbevölkerung strebten nach einer strengen Überwachung der östlichen Peripherie, deren Bevölkerung als soziale Risiko¬gruppe wahrgenommen wurde. So wurde die Nationalitätenpolitik, flankiert von der Ge-sundheitspolitik, zum wichtigsten Instrument einer Strategie, in deren Rahmen der an¬geb¬lich “unzuverlässigste” Teil der Bevölkerung, die Roma, in den fragilsten Gebieten des neuen Staates, Slowakei und Transkarpatien, überwacht wurde. Der Aufsatz verfolgt am Beispiel der Bekämpfung von Infektionskrankheiten die Umwandlung eines öffentlichen Tokenismus in eine dauerhafte Segregationspolitik, die sich gegen die Roma richtete. Bei der Ausgestaltung der Politik gegenüber ethnischen Gruppen in der Tschechoslowakei spielte dieser Richtungswechsel in den folgenden Jahrzehnten eine zentrale Rolle.

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