'The Small Wars of Everyday Life.' Population Politics and the Mutterberatungsstellen in the German Borderlands of Czechoslovakia

Teresa Balkenende

Abstract


Mit den als Zentren sozialer und medizinischer Versorgung für Mütter und Kleinkinder zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den böhmischen Ländern gegründeten Mutterberatungsstellen war auch die Absicht verbunden, durch Anregungen für ein Bevölkerungswachstum die wirtschaftliche und militärische Leistungsfähigkeit der Region zu erhöhen. Die Arbeit
dieser Einrichtungen wurde zunächst vom österreichischen, dann vom tschechoslowakischen Staat sowohl mit Finanzmitteln als auch durch administrative Aufsicht unterstützt. Die wichtigsten Personal- und Finanzangelegenheiten fielen jedoch in den Verantwortungsbereich der Kommunen, so daß lokale Behörden ein erhebliches Maß an Kontrolle über die alltäglichen Belange der Mutterberatungsstellen ausübten - ein Umstand, der dazu beitrug, daß die Stellen im Sudetenland zum Gegenstand deutscher nationalistischer Bestrebungen wurden. Diese zielten zum einen darauf ab, den Anteil der deutschen Bevölkerung in den umstrittenen tschechoslowakischen Grenzgebieten zu erhöhen, und sollten zum anderen dazu dienen, das Verhalten und die Einstellung der deutschen Frauen zu beeinflussen - zu einem Zeitpunkt, da ihre nationale und ihre gesellschaftliche Stellung höchst umstritten waren.
Die Autorin vertritt die These, daß sich am Beispiel der Mutterberatungsstellen letztlich erkennen läßt, daß der Glaube an eine Hierarchie der Geschlechter und traditionelle „Familienwerte" ein wesentlicher Bestandteil der Vorstellungen von .richtiger' Regierung und gesellschaftlicher Ordnung für die Vertreter der deutschen Mittelschichtvereine war.

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