A Baltic German Women’s Movement. The German Women’s League in Riga Preserving “Germandom” in Democratic Latvia, 1919-1934

Christina Douglas

Abstract


Die Forschungsliteratur über die deutschbaltischen Frauen schließt für gewöhnlich die Möglichkeit einer als politische Bewegung verstandenen deutschbaltischen Frauenbewegung aus. Der vorliegende Artikel spricht sich für eine weiter gefasste Definition von „Frauenbewegung“ aus und plädiert dafür, den Deutschen Frauenbund zu Riga als einen Teil von ihr zu verstehen. Zu diesem Zweck werden Quellen aus dem Umfeld des Frauenbundes untersucht, in erster Linie Jahresberichte sowie Abhandlungen zur Vereinsgeschichte. Der Frauenbund wurde als direkte Antwort auf die Revolution von 1905 noch in demselben Jahr gegründet. Als Folge der revolutionären Ereignisse wurden Frauen stärker öffentlich aktiv. Der Frauenbund strebte nach einer Bewahrung und Festigung des deutschbaltischen “Volkstums” durch soziale und kulturelle Arbeit. Er verfügte, so könnte man sagen, über eine Doppelnatur. Seine Mitglieder beteiligten sich am „nationalen Akti-vismus“, d.h. an der Bewahrung des Deutschtums, aber auch an emanzipatorischen Aktivitäten, d.h. an der Förderung der Frauenrechte in Bildung und Beruf wie auch bis zu einem gewissen Grad an der Überwindung von Klassen- und ethnischen Barrieren. Der Bund war keine politische Organisation, aber in einem bestimmten Fall betätigte er sich ausdrücklich politisch: 1917 bat der Bund, zusammen mit anderen Organisationen, die deutsche Kaiserin in einer Petition um die Eingliederung der drei baltischen Provinzen in den deutschen Staat. Zwar hat der Frauenbund die Gründung eines unabhängigen und demokratischen Lettlands nicht gerade unterstützt, doch als dieser Staat dann existierte, bereitete es den Mitgliedern des Frauenbundes kein wirkliches Problem, mit anderen natio-nalen Organisationen, z.B. mit denen der lettischen Frauen, zusammenzuarbeiten. Die meisten Aktivitäten des Frauenbundes richteten sich an Deutschbalten. Aber es gibt auch Beispiele für die Zusammenarbeit mit lettischen Organisationen in der Zwischenkriegszeit. Der Frauenbund bemühte sich auch darum, Klassen- und soziale Barrieren innerhalb der deutschbaltischen Gemeinschaft zu überbrücken, und trug so zu einer gewissen inneren Demokratisierung bei. Er bezeichnete sich selbst nicht als feministisch, unterstützte aber die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Rechte der Frau, wenn auch manchmal, insbesondere hinsichtlich der politischen Rechte, nur sehr diskret. Mit manchen dieser Aktivitäten setzte sich der Bund für eine aktivere Rolle der Frauen in der Gesellschaft ein. Außerdem trug er dazu bei, das häusliche Leben, also die weibliche Sphäre, besser sichtbar zu machen und auf diese Weise aufzuwerten. Die Tatsache, dass der Frauenbund bisweilen recht undemokratisch agierte (insbesondere bei der Petition von 1917), berechtigt nicht dazu, ihn nicht als Teil der Frauenbewegung zu betrachten. Feminismus bzw. Frauenbewegungen korrelieren nicht automatisch mit demokratischen Werten. In jedem Fall för-derte der Deutsche Frauenbund zu Riga in gewisser Weise die Frauenrechte und zeigte au-ßerdem der Welt, und den Männern, dass Frauen zu vielem imstande waren.

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