A Tortuous Path to Reconciliation and Justice: Sigismund of Luxembourg as Arbiter in the Dispute between the Teutonic Knights and Poland (1412-1420)

Přemysl Bar

Abstract


Das Schiedsverfahren galt im Mittelalter als ein wirkungsvolles Rechtsmittel zur Lösung internationaler Auseinandersetzungen. Dies gilt auch für einen Rechtsstreit, den König Sigismund von Luxemburg als Schiedsrichter zwischen dem Deutschen Orden und Polen-Litauen entscheiden sollte. Zenon Hubert Nowak zufolge gelang es ihm, das Schiedsverfahren für seine ambitionierte gesamteuropäische Politik effektiv auszunutzen. Nowak betrachtet dieses Schiedsverfahren als einen kontinuierlichen Prozess von 1412 bis 1420. In dem Umstand, dass die Verkündigung des Schiedsspruches immer wieder aufgeschoben wurde, sieht er ein taktisches Manöver Sigismunds, um Polen-Litauen und den Orden von sich abhängig zu machen. Nach der mittelalterlichen Rechtstheorie und -praxis verfügte ein Schiedsrichter zwar über weitreichende Befugnisse, durfte aber die in einem von beiden Streitparteien ausgestellten sog. compromissum festgelegten Grenzen nicht überschreiten. Die zweijährige Frist bis zur Urteilsverkündigung, die letztendlich aus ungeklärten Gründen nicht erfolgte, endete im Sommer 1414. Offenbar zweifelte Sigismund am Erfolg des Schiedsverfahrens, denn schon lange vor dem Scheitern der Verhandlungen in Buda lud er beide Seiten zu dem bevorstehenden Konzil nach Konstanz ein. Dort aber wurde das Schiedsverfahren nicht fortgesetzt, wie Nowak meint, sondern die Streitparteien verhandelten miteinander über die Person des Schiedsrichters (den römischen König, den Papst, das Konzil, die Kurfürsten usw.) sowie über die Art der Schlichtung. Da die jeweiligen Unterhändler mehrfach wechselten, wurde in beiden Fragen kein Konsens erzielt. Lediglich der noch vor Beginn des Konzils geschlossene Waffenstillstand wurde wiederholt verlängert. Zur Ausstellung eines neuen compromissum kam es erst im Sommer 1419, nachdem sich Sigismund eindeutig auf die Seite Polens gestellt hatte und der Orden unter massivem diplomatischem Druck dazu gezwungen worden war, den römischen König als Schiedsrichter zu akzeptieren. Letztendlich war der Breslauer Schiedsspruch vom 6. Januar 1420 für Polen keineswegs günstig und markiert eine Wende in der Politik des römischen Königs gegenüber der polnisch-litauischen Union. Die von Nowak erarbeiteten Grundzüge des Schiedsverfahrens sowie der Politik Sigis-munds sind zwar immer noch zutreffend, bedürfen aber gewisser Modifikationen. Sigis-mund sah in einem Schiedsverfahren nur ein Hilfsmittel, mit dem er einerseits die Lehens-hoheit des Reiches über den Deutschen Orden in Preußen durchsetzen und anderseits Polen-Litauen ein politisch-militärisches Bündnis gegen das Osmanische Reich aufzwingen wollte, das allerdings allein für ihn als römischen König günstig erschien. Die wechselnde Bedeutung des Schiedsverfahrens hing für König Sigismund nicht nur von den aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen im ersten Dezennium seiner römischen Regierung (Schisma, Konzil von Konstanz, Ausbruch der hussitischen Revolution) ab, sondern auch davon, ob dieses Verfahren wesentlich zur Umsetzung der beiden genannten Hauptziele beitrug oder nicht.